Mobbing im Unternehmen: Formen, Prävention, Erkennen

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein weit verbreitetes Problem. Schätzungen gehen dahin, dass jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer mindestens einmal in seinem Berufsleben mit Mobbing konfrontiert wird. Mobbing hat gravierende Folgen für die davon betroffenen Personen und Unternehmen. Deshalb ist die Verhinderung von Mobbing so wichtig und der Anti-Mobbing-Prävention kommt eine hohe Bedeutung zu.

Mobbing hat eine ausgeprägte zerstörerische Kraft und kann zu ernsthaften körperlichen und psychischen Schäden führen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Formen von Mobbing es gibt, wie es sich bemerkbar macht und welche gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen es haben kann. Zudem finden Sie Informationen dazu, wie Prävention bei Mobbing erfolgen kann, welche Verpflichtungen Arbeitgeber treffen, und wie man sich selbst schützen kann, wenn man zum Opfer wird.

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Wie sich Mobbing bemerkbar macht: Diese Formen von Mobbing gibt es

Nach der Definition des Bundesarbeitsgerichts ist Mobbing am Arbeitsplatz systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern – und zwar sowohl untereinander, als auch durch Vorgesetzte.

Mobbing hat einige typische Merkmale. Charakteristisch ist, dass einzelne Personen immer wieder unbegründet systematisch belästigt werden, wobei Respektlosigkeit und Geringschätzung zum Ausdruck gebracht werden. Dies erfolgt dauerhaft und wird von der gemobbten Person als belastend und diskriminierend wahrgenommen.

Typische Mobbinghandlungen sind das Äußern destruktiver, erniedrigender, unsachlicher Kritik oder persönliche Übergriffe. Weiters das bewusste Wirken gegen soziale Integration und Angriffe gegen Ansehen und Ehre, sowie das Selbstwertgefühl. Verbreitet ist auch das Eindringen in die Privatsphäre der betroffenen Personen, diese zu bedrohen und in Angst zu versetzen, sowie Hilfe zu verweigern. Im schlimmsten Fall kommt es zu Angriffen gegen die körperliche oder sexuelle Integrität.

Auch ist zu beobachten, dass der betroffenen Person soziale Kontakte verweigert werden, man sie ignoriert oder gar räumlich isoliert.

Außerdem jemandem die Möglichkeit zu nehmen, sich mitzuteilen, indem er ständig unterbrochen oder angeschrien wird, sowie das Verbreiten von Gerüchten und Lügen und Äußern von Beleidigungen sind immer wieder zu beobachtende Mobbinghandlungen. Ebenso jemanden durch ständiges Zuteilen überfordernder oder wenig sinnvoller Aufgaben zu überlasten oder zu demotivieren.

Mobbing am Arbeitsplatz: Präventionsmaßnahmen für ein gutes Arbeitsklima

Es ist nicht immer einfach, festzustellen, ob Mobbing betrieben wird. Grundsätzlich kann man sich daran orientieren, ob die zu beurteilenden Handlungen das gesellschaftlich allgemein übliche Maß übersteigen. Wenn dies der Fall ist, und das Verhalten systematisch darauf abzielt, andere Menschen zu beeinträchtigen, liegt in der Regel Mobbing vor. Problematisch ist allerdings, dass die Unterscheidung oft nicht einfach ist, und die Grenzen mitunter verschwimmen, weil letztlich auch das Empfinden der betroffenen Person für die Beurteilung relevant ist.

Vor allem die Unterscheidung zwischen heftig ausgetragenen Auseinandersetzungen und Mobbing fällt regelmäßig schwer. Es ist nicht jede noch so unangebrachte Beschimpfung oder Beleidigung automatisch Mobbing. Dass in einem Arbeitsumfeld immer wieder Konflikte auftreten, und Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden, ist völlig normal. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Erfolgt dies auf konstruktive Weise, kann Mobbing gar nicht entstehen, weil dann Kompromisse gefunden werden, die gemeinsames Arbeiten weiterhin möglich machen. Das ist eine sehr wirkungsvolle Prävention gegen Mobbing am Arbeitsplatz.

Im Folgenden finden Sie eine Reihe von Informationen dazu, wie Sie sich bemerkbar machen können, wenn Sie mit Mobbing konfrontiert werden. Weiters, wie die unterschiedlichsten Personen und Stellen reagieren können, wenn im Unternehmen Mobbing auftritt, und wie Anti-Mobbing-Prävention erfolgen kann.

Mobbing-Prävention im Unternehmen: So erkennen Sie als Arbeitgeber oder Kollgege Probleme

Als Arbeitgeber oder Führungskraft ist es nicht immer einfach, zu erkennen, dass Mitarbeiter zu Mobbingopfern werden. Aus diesem Grund sollte man sich vor Augen halten, welche Ursachen Mobbing hat, wie es üblicherweise verläuft und welche Rahmenbedingungen förderlich für sein Auftreten sind.

Meistens entsteht Mobbing, wenn Menschen eng (räumlich wie inhaltlich) zusammenarbeiten. Es liegt auf der Hand, dass in derartigen Konstellationen Aggressionen und sogar Aversionen entstehen können. Dann ist es zum Mobbing oft nur ein kleiner Schritt. Unklare Zuständigkeiten und diffuse Anweisungen, eine mangelhafte Kommunikationskultur, ständige Über- oder Unterforderung, geringe Eigenkompetenzen der Mitarbeiter, und eine ungleichmäßige Verteilung der Arbeitslast sind ebenfalls Umstände, die Mobbing begünstigen.

Mobbing können Sie als Arbeitgeber & Kollegen an folgenden Punkten erkennen:

Mobbing erfolgt über eine gewisse Dauer. Wie lange die Handlungen gesetzt werden müssen, kann man nicht allgemein sagen, in der Regel geht man aber davon aus, dass der Zustand in Monaten zu messen ist. Allerdings gilt: Je belastender und schwerwiegender das Mobbingverhalten ist, desto kürzer kann der Zeitraum sein.

Wenn Sie bemerken, dass eine Person gezielt angegriffen wird, um ihr soziales Ansehen zu diskreditieren, können Sie davon ausgehen, dass es sich um Mobbing handelt.

Gleiches gilt, wenn soziale Beziehungen zu den betroffenen Personen stark eingeschränkt oder gestört werden und der gemobbten Person ein normales Kommunikationsverhalten verunmöglicht wird, indem sie ausgeschlossen oder angeschrien wird, oder ihr Informationen vorenthalten werden und die Zusammenarbeit verweigert wird.

Auch ist dies der Fall, wenn die Person immer nur mit Arbeiten beauftragt wird, die als unangenehm empfunden werden.

Besonders offenkundig ist es, wenn die körperliche oder sexuelle Unversehrtheit durch entsprechende Übergriffe beeinträchtigt werden.

Je früher Sie als Arbeitgeber oder Führungskraft derartige Vorgänge erkennen, desto besser gelingt Ihnen die Mobbing-Prävention im Unternehmen. Je später Sie Mobbingaktivitäten wahrnehmen und gegensteuern, desto stärker gewinnen die grenzüberschreitenden Aktivitäten an Intensität. Es kommt dann oft zu völlig unsteuerbaren Eskalationen, die Angriffe auf das Opfer werden immer dreister, offener und ungenierter. Das Opfer gerät mehr und mehr in die Defensive, kann sich immer weniger wehren, und ein richtiger Teufelskreis beginnt.

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Gezielte Prävention gegen Mobbing am Arbeitsplatz durch Arbeitgeber

Ein Arbeitgeber oder eine Führungskraft befindet sich Ihren Mitarbeitern gegenüber in einer arbeitsrechtlichen Fürsorgepflicht. Diese besteht unter anderem darin, Arbeitnehmer gegen körperliche, aber auch psychische Gefahren zu schützen.

Daher sollten Sie auch für eine wirksame Prävention gegen Mobbing am Arbeitsplatz sorgen, um es am besten gar nicht erst entstehen zu lassen. Ist es einmal dazu gekommen, müssen Sie konsequent dagegen vorgehen und das Opfer schützen und unterstützen.

Sie dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass das Opfer Schaden nimmt und Mobbing zu einem Problem für Ihr Unternehmen wird. Das geht oft schneller als man denkt, weil Betroffene häufig unkonzentriert werden, die Fehlerhäufigkeit zunimmt und die Leistungsfähigkeit sinkt.

Besteht Mobbingverdacht, sind Sie als Arbeitgeber oder Führungskraft jedenfalls dazu verpflichtet, schnellstmöglich zu reagieren. Oft ist es in einem frühen Stadium noch möglich, deeskalierend zu wirken, zum Beispiel durch Schlichtungsgespräche. Je verfahrener die Situation ist, desto schwieriger wird es.

Es gibt keine Handlungsanleitung dafür, wie Sie als Arbeitgeber oder Führungskraft zu reagieren haben. Sie sollten jedenfalls immer damit beginnen, herauszufinden, wer der Mobber ist und auf welche Weise und warum Mobbing betrieben wird. Diese Erkenntnis können Sie auch später gut für die betriebliche Prävention gegen Mobbing nutzen. Suchen Sie aktiv den Kontakt zum Opfer und schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, die es ihm ermöglicht, Ihre Hilfe anzunehmen. Viele Opfer schämen sich dafür, in diese Rolle geraten zu sein, und schweigen daher zu den Übergriffen, bis es nicht mehr geht.

Grundsätzlich sind alle tauglichen und erfolgversprechenden Mittel einzusetzen. Möglich ist es zum Beispiel, ein Mediationsverfahren einzuleiten oder eine Supervision oder ein Coaching anzubieten. Reichen derartige Maßnahmen nicht mehr aus, müssen Sie arbeitsrechtliche Mittel gegen den Täter einsetzen, zum Beispiel ihn ermahnen und anweisen, das störende Verhalten unverzüglich einzustellen. In schwierigeren Fällen können sogar organisatorische Maßnahmen erforderlich werden wie Versetzungen des Mobbingopfers oder des Mobbers. Zeigt sich der Mobber nicht einsichtig und ändert sein Verhalten nicht, kann sogar – je nach Schwere des Falles – eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung erforderlich werden. Grundlage dafür ist die den Arbeitnehmer treffende Treuepflicht, die ihn dazu anhält, sich in einer Weise zu verhalten, die den sozialen Frieden im Unternehmen nicht beeinträchtigt.

Jedenfalls sollten Sie ausnahmslos und immer wieder zum Ausdruck bringen, dass Sie Mobbing im Unternehmen nicht dulden und Mobber mit scharfen Konsequenzen zu rechnen haben. Schaffen Sie außerdem selbst eine Arbeitsatmosphäre für Ihre Mitarbeiter, in der es erst gar nicht dazu kommt.

Besonders wichtig ist es, dass Sie sich als Arbeitgeber oder Führungskraft mit der Anti-Mobbing-Prävention auseinandersetzen. Viel ist schon gewonnen, wenn Sie den Umgang der Kollegen untereinander beobachten und versuchen, stets einen Einblick in das Sozialgefüge zu haben. Dies ermöglicht Ihnen eine rechtzeitige Früherkennung und versetzt sie in die Lage, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Schaffen Sie eine wertschätzende Unternehmenskultur mit offener und ehrlicher Kommunikation. Um diese zu etablieren, können Sie regelmäßige Teambuilding-Maßnahmen (Link to https://www.tagewerk-events.de/teambuilding/) abhalten. Eine Unternehmenskultur, in der Wertschätzung, Vertrauen, Offenheit und Transparenz wichtige Werte sind, ist wohl die beste Prävention gegen Mobbing.

In vielen Unternehmen gibt es betriebliche Interventionsstrategien, die ebenfalls eine gute Prävention gegen Mobbing sein können, wenn sie möglichst früh greifen. Viele Arbeitgeber bieten auch frühzeitig Mediation und psychologische Hilfe an.

Schließlich gibt es in vielen Unternehmen Betriebsvereinbarungen, die Verhaltenspflichten und Beschwerdestellen vorsehen.

Achtung: Diese gesundheitlichen Probleme kann Mobbing hervorrufen

Mobbing führt dazu, dass die Arbeitsleistung der Opfer sinkt und sich eine Vielzahl von Beschwerden einstellen, bis hin zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Betroffene verspüren häufig ausgeprägte Demotivation, ziehen sich in sich selbst zurück und verlieren ihr Selbstvertrauen. Sie zeigen Stresssymptome wie Herzrasen, Schlafprobleme oder Kopfschmerzen. Dauert das Mobbing länger an, können sich psychische Erkrankungen bis hin zu Depressionen einstellen. Im körperlichen Bereich treten häufig erhöhter Blutdruck, Schmerzen in der Herzgegend, Magenschmerzen und Darmprobleme, sowie Muskelverspannungen und Rückenprobleme auf.

Die Betroffenen berichten auch häufig davon, dass sie misstrauisch und nervös werden. Sie sind häufig von Selbstzweifeln, Angstzuständen und Konzentrationsschwierigkeiten geplagt. Der Weg der Opfer führt nicht selten in den sozialen Rückzug.

Reagieren Arbeitgeber und Führungskräfte nicht angemessen auf die dargestellten Symptome und Verhaltensweisen, können Sie diese ungewollt noch verstärken. Ermahnungen und die Drohung mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen wegen abnehmender Leistungsfähigkeit können das beeinträchtigte Opfer noch zusätzlich unter Druck setzen.

Ist das Opfer intensivem Mobbing ausgesetzt, oder erstreckt sich dieses über längere Zeiträume, werden Beschwerden häufig chronisch. So können immer wieder auftretende Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder posttraumatische Belastungsstörungen entstehen. In Extremfällen führt der Weg in die Arbeitsunfähigkeit, manche scheiden sogar komplett aus dem Arbeitsleben aus.

Diese gesundheitlichen Folgen wiederum sind nicht unbedingt vorteilhaft für Ihr Unternehmen, da Sie Arbeitsausfälle haben und nicht nur aus finanzieller Sicht Einbußen haben, sondern auch mehr Arbeit auf andere Mitarbeiter verteilen müssen. Dadurch und durch die angespannte Situation können auch nicht vom Mobbing betroffene Mitarbeiter in ihren Leistungen abfallen. Außerdem regelt das AGG (umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt) für solche Fälle auch einen Anspruch auf Schadensersatz oder sogar Schmerzensgeld für das Mobbing-Opfer.

So können Sie sich selbst präventiv vor Mobbing schützen

Sollte es sich abzeichnen, dass jemand versucht, Sie zu mobben, oder sollten Sie bereits von Mobbing betroffen sein, ist es wichtig, dass Sie sich von Anfang an nicht damit abfinden. Auf keinen Fall dürfen Sie darauf hoffen, dass das störende Verhalten von selbst aufhören wird, wenn Sie es nur lange genug erdulden. Diese Reaktion hat oft genau die gegenteilige Wirkung, weil sie den Mobber noch bestärkt. Zeigen Sie dem Angreifer Grenzen und ersuchen Sie Kollegen um Hilfe. Suchen Sie Entspannung und Ablenkung durch Meditation, Sport, oder ein Hobby. Auch ein Urlaub kann helfen. Nutzen Sie das Angebot einer Sozialberatung und wenden Sie sich an Selbsthilfegruppen, die sich mit Anti Mobbing Prävention beschäftigen. Suchen Sie in jedem Fall auch das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten oder anderen Kollegen.

Wenn Sie sich dazu in der Lage sehen, können Sie mit dem Mobber das Gespräch suchen. Sie sollten immer im Hinterkopf haben, dass Sie rechtlich gegen den Täter vorgehen können – es stehen Ihnen Unterlassungs-, Schadensersatz- oder auch Schmerzensgeldansprüche zu. Sie müssen aber immer bedenken, dass Sie die Beweislast tragen.

Aus diesem Grund bietet es sich an, ein sogenanntes Mobbing-Tagebuch zu führen. Es erleichtert zum einen die Argumentation Ihrem Vorgesetzten gegenüber, und anderseits werden derartige Tagebücher von Gerichten mittlerweile als Beweismittel akzeptiert. Dies allerdings nur, wenn sie lückenlos und konsequent geführt werden. Sie sollten aufzeichnen, was, wann, wo, und wie geschehen ist, und wer die Mobbinghandlungen gesetzt hat. Weiters, was dies bei Ihnen ausgelöst hat, wie Sie sich verhalten haben, und ob sie Beweise haben und Zeugen nennen können.

Machen Sie möglichst frühzeitig von Ihrem Beschwerderecht Gebrauch – Sie können sich an Ihren Vorgesetzten wenden, oder, falls Sie von diesem angegriffen werden, bei der Personalabteilung Hilfe suchen. Auch Ihr Betriebsrat wird Sie unterstützen, gegebenenfalls auch bei der gerichtlichen Durchsetzung ihrer Ansprüche. Gleiches gilt für Gleichstellungs- oder Frauenbeauftragte, wenn im Unternehmen welche bestellt sind.

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